Film Quickie – Disney Neuverfilmung 1

Vor einer Weile hat Disney damit begonnen Zeichentrickklassiker neu zu verfilmen. Zuerst war ich mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. Immerhin haben mich Mogli, Arielle und Simba durch meine Kindheit begleitet und ich liebte die Filmmusicals sehr. Ich habe sie gemeinsam mit meinen Kindern geguckt, weil ich das Erlebnis mit ihnen teilen wollte. Doch es ist etwas anderes, die alten Filme heute zu gucken. Sie jetzt noch einmal in einer Neuauflage im Kino sehen zu können, war eine gänzlich andere Erfahrung und ich muss sagen, ich liebe es. Wobei mir das nicht von Beginn an so ging.
Charaktere und Plot sind modernisiert, nicht jeder Film ist ein Musical, manche Handlungen sind ganz anders, viele der Slapstickeinlagen sind weggefallen, die damals populär waren. Anhand der folgenden vier Filme, mit denen ich beginne, ist eine konstante Entwicklung zu erkennen, die sich mehr und mehr dem Klassiker annähert.

Dornröschen 1959 vs. Maleficient 2014

Diese Neuauflage von Dornröschen unterscheidet sich sehr vom Klassiker, besticht durch ihre facettenreiche Darstellung der Antagonistin Maleficient.
Dornröschens aka Auroras Geschichte aus dem Zeichentrick gibt nicht viel her. Sie ist eine liebreizende, wunderschöne Prinzessin, die leider verflucht wird und von einem Prinzen durch einen Kuss gerettet wird. Ende. Die Charaktere im Zeichentrick waren Stereotype, was zur damaligen Zeit absolut im Trend lag.
Maleficient dagegen erzählt die Geschichte aus der Sicht der „Bösen“ und zeigt, dass nicht alle Handlungen und Motive so leicht zu durchschauen sind und in schwarz und weiß aufgeteilt werden können. Könige und Königinnen sind keine von Natur aus gnadenvollen, selbstlosen Menschen und böse Feen haben mehr Gefühle als Hass. Der Film hatte mehr Tiefe als das Original und hat mir wesentlich besser gefallen als der Klassiker. Ein paar Elemente aus dem Zeichentrick haben trotz der andersartigen Storyline im neuen Film Platz gefunden und waren gerade richtig dosiert. Ich mag die Neuauflage lieber als den Klassiker.

Maleficient gewinnt den Schlagabtausch.

Cinderella 1950 vs. 2015

Der Klassiker leidet an den gleichen Schwächen, wie Dornröschen und Schneewittchen, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die Filme in einem ähnlichem Zeitraum produziert wurden. Der weibliche Hauptcharakter wird nicht durch eigene Charaktereigenschaften definiert, sondern durch die Taten und Handlungen der Nebencharaktere. In diesem Fall sind es die Stiefmutter und die Stiefschwestern. Irgendwann kommt ein flotter Prinz daher, Liebe auf den ersten Blick schlägt ein wie ein Blitz und obwohl man sich eigentlich gar nicht kennt, rettet der kühne Recke die holde Maid vor ihrem grausamen Schicksal.
Die Neuverfilmung hält sich an den Plot des Zeichentrickfilms, peppt ihn aber sehr auf. Die Charaktere bekommen mehr Tiefe und eigene Charaktereigenschaften, allen voran die Hauptpersonen Cinderella und der Prinz. So ist der Film ein neuer visueller Genuss der Liebesgeschichte. Besonders die Schauspieler sind eine brillante Wahl für den romantischen Streifen.

Cinderella 2015 gewinnt den Schlagabtausch.

Das Dschungelbuch 1967 vs. 2016

Der Klassiker des Dschungelbuchs ist für Kinder gemacht. Der Film ist bunt, lustig und selbst in düsteren Situationen noch freundlich gestaltet. Bär, Panther, Elefant, Menschenaffe, Python, eine lustige Tanzparty, die nur der Tiger so ein bisschen mit seiner schlechten Laune stört.
Die Neuverfilmung ist dunkler und grusliger. Der Film hält sich nur lose an den ursprünglichen Plot des Zeichentricks. Natürlich lebt Mogli bei den Wölfen, Bagheere ist sein Freund und Shirkan will ihn töten, das bleibt wie gehabt. Baloo und King Louie singen auch ihre Songs, was ich persönlich sehr schön finde. Allerdings sind ein paar wesentliche Nuancen verändert. Die Tiere sind fotorealistisch und animalisch gehalten, was ich gut finde. Die Dschungelbuchtiere sind auch in der Buchvorlage keine netten Tierchen, sondern Wildtiere und ich finde es zweifelhaft Kindern zu vermitteln, Wildtiere wären wie ihre Plüschis im Regal. Das kann mit unter aber auch recht fies werden, wenn ich an Moglis Wolfsbruder denke. Doch alles in allem begrüße ich die mystischere, wildere Darstellung der Tiere. Vor allem auch die der Elefanten, die im Klassiker ja eher wie eine lustige Blaskapelle daherkommen und dann auch noch von einem Bullen angeführt werden. Ein wenig mehr Realismus hat der Geschichte nicht geschadet. Mir gefällt die Neuverfilmung genau deshalb besser als der Zeichentrickfilm.

Das Dschungelbuch 2016 gewinnt den Schlagabtausch.

Die Schöne und das Biest 1991 vs. 2017

Das ist die erste echte Übertragung des Zeichentricks in eine Realverfilmung. Es wird gesungen wie im Klassiker und bis auf kleinere Anpassungen ist die Handlung absolut identisch.
Ich finde beide Filme, Klassiker und Neuversion, gleich gut. Die Charaktere von Gaston und LeFou gewinnen in der neuen Version an Profil. Belle ist mehr als nur „die Schöne“. Leider verlieren fast alle anderen Figuren an Charakter. In der Realverfilmung fehlt es am Flair Frankreichs des 17./18. Jahrhunderts und auch die Stimmung im Schloss, die hauptsächlich durch die verwandelten Bewohner hergestellt wird, ist in der neuen Variante viel weniger spürbar. Das ist sehr schade. Aber es wird wundervoll gesungen, die Tanzszene gefällt mir besser und so kann der neue Film mit dem alten mithalten. Wobei ich gestehen muss, dass „Die Schöne und das Biest“ noch nie zu meinen Lieblingsfilmen von Disney gezählt hat. Sich in jemanden zu verlieben, der einen gefangen hält, finde ich eine grenzwertige Idee.

Unentschieden für die Schönen und die Biester.

Im zweiten Teil des Disney-Film-Battles „neu gegen alt“ geht es um Dumbo, Aladdin und König der Löwen.
In einem Extrabeitrag geht es um die Folgeverfilmungen Alice im Wunderland, Christopher Robin und Mary Poppins. Link folgt.

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