Film Quickie – Disney Neuverfilmung 2

In meinem ersten Beitrag zu den Disney Neuverfilmungen habe ich über Dornröschen (Maleficient – Die dunkle Fee eine komplette Neuinterpretation der Materie), Cinderella, Das Dschungelbuch und Die Schöne und das Biest gesprochen. Realistischer, moderner und trotzdem den Charme erhalten, der die Klassiker so beliebt gemacht hat, das ist keine leichte Aufgabe. Ich finde, es ist recht gut gelungen.

Dumbo 1941 vs. 2019

Zu Dumbo kann ich leider nichts sagen. An den Film habe ich mich noch nicht herangetraut. Ich fand den Zeichentrickfilm als Kind schon unglaublich traurig und belastend und fürchte mich ein wenig davor, was die Macher aus der neuen Version herausgeholt haben. In der Vorschau wird viel Wert auf die Charakterisierung des Zirkuspersonals gelegt. Das erweckt in mir den Eindruck, dass die Nutzung von Tieren im Zirkus eventuell romantisiert werden könnte.

Wer den Schlagabtausch gewinnt, sage ich euch, wenn ich beide Filme gesehen habe.

Aladdin 1992 vs. 2019

Aladdin ist die zweite Neuverfilmung, die sich original an das Skript des Zeichentrickfilms hält, mit kleinen Änderungen. Es wird gesungen und das großartig.
Es ist auch die erste übereinstimmende Neuverfilmung, die mir besser gefällt als der Zeichentrickfilm. Das liegt daran, dass Jasmin einen eigenen Charakter und ein eigenes Ziel bekommen hat. Sie ist nicht einfach das Frauchen, das zur Entwicklung der Rolle des Helden dient. Sie hat sogar einen eigenen tollen Song bekommen. Ein weiteres Plus des Films sind die minimierten Komikszenen. In den Zeichentrickfilmen wurde das für meinen Geschmack meist sehr übertrieben. Auch der Papagei Jago ist in reduzierter Form unterwegs und hat wenig zu sagen, wofür ich ungemein dankbar bin. Dafür hat der Sultan mehr Charakter und Platz im Film bekommen. War er in der alten Version ein kleiner Depp, kam in der neuen Version tatsächlich ein Herrscher vor.
Die einzigen drei Mankos waren:
Die schwache Darstellung von Dschafar – dessen Ecken und Kanten wurden bis zu Langeweile abgeschliffen.
Sie haben mein Lieblingslied versaut. Ich denke, ich muss mir den Film noch einmal in Englisch ansehen, um zu vergleichen, ob es nur an der deutschen Übersetzung liegt oder „Schnell weg“ zugunsten anderer Inhalte umgeschrieben wurde.
Und was soll der Quotenweiße? Warum muss der Prinz, der vor Aladdin um Jasmins Hand anhält ein Nordländer sein? Das ist nicht einmal aus strategischer Sicht des Sultans sinnvoll. Immerhin sucht er Verbündete, aber was nutzt das, wenn sie zu weit weg leben?
Trotz der kleinen Schwächen mag ich die Neuverfilmung von Aladdin sehr.

Aladdin 2019 gewinnt den Schlagabtausch, auch wenn „Schnell weg“ in der alten Form lieber wieder herkommen sollte.

König der Löwen 1994 vs. 2019

Auch der König der Löwen hält sich an das Zeichentrickoriginal. Allerdings sind die Tiere so flauschig realistisch, dass man sie anfassen möchte. Optisch macht der Film in jedem Fall etwas her und kann sich auch der Interpretation nach mit dem Klassiker messen. Allerdings kann ich nicht genau sagen, ob ich ihn besser oder schlechter finde, denn es gibt ein paar Stellen, die mich in der neuen Version sehr stören, aber auf der anderen Seite gibt es auch einige Pluspunkte. Die Hyänen sind zum Beispiel keine Hohlköpfe mehr. Ihre stereotype Präsentation durch Shenzi, Banzai und Ed bekommen mehr Profil und Shenzi ist tatsächlich die Anführerin der Gruppe und nicht etwas Scar. Er ist auch nicht ihr Kumpel, sondern nutzt nur eine Gelegenheit, die Hyänen für sich einzuspannen. Das finde ich sehr gut gemacht, auch wenn dadurch natürlich sein bekanntes Lied „Seid bereit“ gekürzt werden musste, weil er seine „neuen“ Verbündeten darin ständig beleidigt. Das kann ich aber zugunsten der neuen Rollenaufteilung gut verschmerzen.
Erfreulich war auch, dass darauf hingewiesen wurde, Sarabi und die Löwinnen seien involviert, wenn es Probleme mit den Hyänen gibt. Das ist logisch, denn eigentlich sind die Löwinnen die Jäger und verteidigen die Beute. Als Mufasa auf den Friedhof stürmt und außer den drei üblichen Verdächtigen das ganze Hyänenrudel anwesend ist, war ich schwer begeistert. Auch das ist viel wahrscheinlicher, als dass die drei Oberdeppen alleine dort herumhängen. Leider kamen dann keine Löwinnen dazu, obwohl es dem König wohl keinen Zacken aus der Krone gebrochen hätte. Meine Hoffnungen, dass die Löwinnen in diesem Film mehr tun, als rumzuliegen, wurden nicht erfüllt.
Allerdings hat Nala ein wenig mehr Handlung bekommen, als nur Loveinterest zu sein und Simba zurückzuholen. Das war nett, aber zu wenig in Bezug auf die Löwinnen.
Super fand ich die Neuinszenierung von Timon und Pumba. Sie waren nicht ganz so überdreht und hektisch. Das war sehr angenehm.
Was mir gar nicht gefallen hat, war die Szene, als Simba zurückläuft. In der Zeichentrickversion war es damals das Highlight die fantastischen Bewegungen des Löwen zu sehen und dazu die Musik, die einem Platz gelassen hat, sich eigene Gedanken zu machen. In der neuen Version hätten sie auch eine fantastische Animation der Bewegungsabläufe zeigen können, aber vor allen Dingen hat mich der neue Song gestört, der mir vorgesungen hat, was ich denken udn fühlen soll. Das war supernervig.
Rafiki hat in der neuen Version auch ein wenig eingebüßt. Seine magischen Rituale wurden umgestaltet, wodurch ich absolut keinen blassen Tau habe, wie er wusste, dass das Haar von Simba ist. Ja, die Kreis des Lebens Inszenierung war toll, aber ich hätte zu Gunsten der Logik darauf verzichtet. An dem Haar kann nichts mehr nach Simba oder dessen Aufenthaltsort riechen, nachdem es durch den Verdauungstrakt der Giraffe gewandert ist. Und was mir auch viel zu spät kam, war der Song, der ursprünglich während der letzten Szene lief. Der kommt jetzt später im Abspann. Schade.
Fazit: Die Neuverfilmung ist sehenswert und hat ihre Stärken gegenüber der klassischen Version, aber auch ihre Schwächen.

Unentschieden im Schlagabtausch der Könige der Löwen.

In einem Extrabeitrag geht es um die Folgeverfilmungen Alice im Wunderland, Christopher Robin und Mary Poppins. Link folgt.

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