Altersfreigabe:

Worum geht es?
Achtung, sensibler Inhalt! Selbstmord, Depressionen, ungewöhnlicher oder gewaltvoller Tod, Entführung, Menschenhandel, Drogenkonsum
Maomao wird entführt und an den Palast verkauft. Dort klärt sie mit ihren Fähigkeiten als Apothekerin Kriminalfälle auf.
Welches Genre?




An dieser Stelle möchte ich mich kurz bei all den Leuten bedanken, die Arbeit und Mühe in die Serie gesteckt haben. Unabhängig davon, wie ich die Serie persönlich bewerte, verdienen die künstlerischen Ambitionen Anerkennung. Dankeschön.
Wie ich die Serie finde?
Staffel 1
Angenehm an dem Anime ist, auch wenn die Charaktere meist jung sind, dass es zur Abwechslung keine Coming of Age Geschichte ist, bei der sich alles um die Lebensrealität von Jugendlichen dreht.
Das Setting ist ein fiktives Reich, dass sich am kaiserlichen China orientiert, auch wenn es eine japanische Serie ist. Historische Korrektheit ist nicht gegeben, da viele Epochen durcheinandergewürfelt werden, aber die Details sind meist passend und das Allgemeinbild ist atmosphärisch.
Die Serie besticht vor allem durch die Charaktere, insbesondere Maomao. Sie im Freudenviertel aufgewachsen steht auf Selbstversuche mit Gift, ist an Tratsch nicht interessiert, pragmatisch, direkt und springt nicht auf Charme an. Gleichzeitig wird sie nicht als die eine, die anders ist, als alle anderen Mädchen dargestellt, weil es so viele unterschiedliche Persönlichkeiten unter den Palastfrauen gibt.
Es macht Spaß die Kriminalfälle zu verfolgen, weil sie mit anderen Ereignissen Zusammenhängen und dadurch keine nutzlosen Füllfolgen entstehen.
Die sich anbahnende Liebesgeschichte ist an sich recht typisch für Animes. Mächtiger, heißer Kerl trifft Mädchen in Abhängigkeit. Das charmante daran ist, dass Maomao gar kein Interesse hat und sich auch nicht einschüchtern oder beeindrucken lässt.
Ein bisschen genervt war ich, als Maomao, die sonst so reflektiert und überlegt sprich, verkündet, „so sind Frauen halt“. Die Aussage bezieht sich darauf, dass sich die Konkubinen und deren Dienerinnen gegenseitig das Wasser abgraben. Dabei müsste Maomao erkennen können, dass es ein gesellschaftliches Konstrukt ist, das von Männern aufgebaut und getragen wird, um Frauen in Abhängigkeit und machtlos halten. Das sorgt dafür, dass der Eindruck entsteht, die Konkubinen hätten sich ihr Leben ausgesucht und die ständige Konkurrenz würden sie selbst bevorzugen. Dabei wurden diese Frauen von ihren Vätern und Brüder anhaltend unter Druck gesetzt, sich eine bessere Position an der Seite des Hausherrn (in diesem Fall der Kaiser) zu verschaffen, um ihrer Familie Ehre und Reichtum zu bringen.
Fazit

Herrlich unterhaltsam und wunderschön anzuschauen.
Staffel 2
Über Staffel 2 habe ich mich immer wieder geärgert, obwohl die schönen Aspekte der Geschichte auch hier wieder zu Tage treten. Maomao ist als Person erfrischend, „Der Frosch“ ist ein neues Synonym in meinem Wortschatz ^^ und die Annäherung zwischen Maomao und Jinshi schön zu verfolgen.
Leider benutzt Maomao Sprüche aus der ersten Staffel, wie „Was macht der denn hier?“, die nicht mehr passen, weil sie Jinshi mittlerweile zu gut kennt, um nicht zu wissen, was er so macht und wie er gepolt ist. Dadurch wirkt ihr Charakter in den Situationen wie eine zum falschen Zeitpunkt abgespielte Bandwiederholung.
Außerdem treten die Schwächen der Rollenbilder stärker zu Tage. Die ganze Welt wird als böses Matriarchat inszeniert, in dem die Männer, wie der Kaiser selbst und die Minister, machtlose Spielbälle der Machenschaften ihrer Frauen werden. Es gibt keine Väter und Brüder, die für Machtposition, Ruhm und Ehre ihre weiblichen Familienangehörigen als Konkubinen verkaufen, sondern immer eine üble Matriarchin, der sich die Männer nicht widersetzen können und deren üble Absichten sie nicht sehen . Wieso sitzt dann ein Mann auf dem Thron und wieso ist der Vater ein Minister und die Tochter die Konkubine? Das hat mich sehr gestört, vor allem weil es dem Umstand keine Rechnung trägt, wie sehr die Frauen in dem System gelitten haben und wie die Männer durch Wegschauen und Regeln den Konkurrenzzwang angeheizt haben, in dem sie sich Hauptfrauen und Konkubinen genommen haben.
Die Krimigeschichte verliert auch an Fahrt. Es werden zwar Zusammenhänge zu Ereignissen aus der ersten Staffel geknüpft, aber die Aufklärung ist recht lau.
Und dann diese Badehausszene, in der Maomao Haarentfernung bei den Frauen betreibt. Das wurde damals überhaupt nicht gemacht. Das Frauen als Nacktmulle rumlaufen müssen, ist ein patriarchales, kapitalistisches, modernes Konstrukt, damit sie ausschauen wie kleine Mädchen, hauptsächlich mit Looksmaxxing beschäftigt sind und Rasurprodukte kaufen.
Spannend waren die sich verdichtenden Hintergründe zu den Charakteren. Wie kamen Jinshi und Maomao in ihre jeweilige Lebenssituation und welche Dinge sind vor ihrer Zeit geschehen, die immer noch Auswirkungen auf ihre Lebensrealität haben. Dieser Aspekt hat beim rätseln viel Spaß gemacht.
Fazit

Schönes Setting, schöne Entwicklung der Beziehung der Hauptcharaktere, aber leider mit misogynem Subtext, der mir die Freude am Schauen verdorben hat.
