Film Quickie – Disney Folgefilme 1

Vor einer Weile hat Disney damit begonnen Zeichentrickklassiker neu zu verfilmen. In diesem Beitrag geht es konkret um die Filme, die nicht in einer anderen Version neu aufgelegt wurden, sondern einen Folgeteil bekommen haben. Das ist ein spannendes Konzept, seid einer Weile populär und meiner Meinung nach, eine sehr schöne Entwicklung. Zum einen wird die Geschichte für das junge Publikum interessant, zum anderen können die Fans die Geschichten mit nostalgischem Gefühl weiterverfolgen.

Alice im Wunderland 1951 vs. 2010

Der Klassiker war eindeutig für Kinder gemacht. Selbst die bedrohlichen Charaktere waren irgendwie niedlich.
Die Fortsetzung ist sehr exzentrisch und düster. Alice ist älter und schon fast erwachsen. Sie in dem Alter ins Wunderland zurückkehren zu lassen und es dementsprechend angepasst vorzufinden, ist eine coole Idee. All jene, die damals Alice gesehen haben, sind schließlich auch erwachsen. Ein Wiedererleben des Klassikers ist es allerdings nicht, weil es sich so sehr vom Original unterscheidet, dass keinerlei Nostalgie aufkommt. Dafür wartet der neue Teil mit vielen neuen Ideen auf und zeigt das Wunderland einmal aus anderer Sicht. Dadurch gewinnen die Charaktere auch an mehr Tiefe. Sie haben Motive, Wünsche und Sehnsüchte, die über die Vorstellung eines Kindes hinausreichen.
Der Hutmacher ist um einiges schillernder und wirklich verrückt, allerdings nicht einfach nur so. Es gibt eine Hintergrundgeschichte, genauso wie bei der Herzkönigin. Ob man das mag, ist Ansichtssache. Ich fand es interessant und frisch.
Alice kommt aus ihrem Lieblich-Schön-Schneckenhaus heraus, das allen weiblichen Hauptcharakteren in den Disney Zeichentrickfilmen übergestülpt wird und definiert sich durch ihre eigenen Ideen und nicht über die Handlungen der Figuren um sie herum. Das ist immer mein Hauptkritikpunkt bei den ganz frühen Klassikern, eine Schwäche der Zeit und der damaligen Rollenvorstellungen.
Die erzwungenen Kampfhandlungen zum Ende hin habe ich allerdings sehr bedauert. Gibt es denn keine anderen Lösungen um weiblichen Charakteren Stärke nazuweisen als Kampfgetümmel und Gewalt?

Trotz dieses Mankos ist der Film sehenswert. Ähnlichkeiten mit dem Klassiker dürfen allerdings nicht erwartet werden.

Christopher Robin 1997 vs. 2018

Christopher Robin ist erwachsen, hat seine Kinderspiele im Hundertmorgenwald fast vergessen und knechtet sich selbst im Alltag.
Ich liebe den Film. Er ist charmant und vereint humorvoll die wunderschönen Grundlagen des Originals mit dem eigentlichen Grund, wieso die Geschichte vom Bären Pooh überhaupt geschrieben wurde. Die Haupthandlung spielt in der Nachkriegszeit, auch wenn es der zweite Weltkrieg ist und nicht der erste, in den der Autor involviert war. Das Setting ist stimmungsvoll und passend, die Schauspieler machen ihre Sache großartig und die Plüschtiere sind wundervoll in Szene gesetzt. Es gibt Action, aber nicht überzogen. Die Handlung ist harmonisch, ergreifen und einfach wunderschön. Dieser Film ist wie der rote Ballon, er macht mich glücklich.

Für die ganze Familie ist klar, Christopher Robin ist unser Filmhighlight 2018.

Mary Poppins 1964 vs. 2018

Dieser Film zählt auch zur Kategorie Folgefilm und der Vorgänger ist, im Gegensatz zu den anderen hier erwähnten Filmen, nur teils ein Zeichentrick. Die Erwachsenen im Film von 2018 sind die Kinder von 1964. Er startet im klassischen Look und erinnert sehr an die Originalversion. Die Besetzung ist sehr gut gewählt und auch das Bühnenbild orientiert sich am Vorgänger. Das fand ich sehr sympathisch und hatte bis zu einem gewissen Punkt nostalgische Freude den Film zu schauen. Und dann ging es leider steil bergab. Das, was den alten Streifen neben seinen Charakteren, den fantasievollen Exkursen und dem Flair der alten Londoner Straßen so herausragend gemacht hat, war die Botschaft. Es ging nicht darum, die Kinder zu retten, sondern den Vater. Gerade im Hinblick auf das Leben der Autorin von Mary Poppins ist das von Bedeutung. Auch die Darstellung von Mary Poppins hängt davon wesentlich ab. Die Vorlage für sie war die Tante, die in der Realität den Vater leider nicht retten konnte, aber Mary konnte es für Mr. Banks tun. Leider wird Mary in der neuen Version gegen Ende des Films irgendwie seltsam. Sie greift viel invasiver ein, als es der Rolle entspricht. Und ging es im Vorgänger noch um die Dinge, die im Leben wirklich zählen, ist der Höhepunkt dieser Geschichte nur, dass die finanziellen Probleme der Familie mit viel Geld gelöst werden. Das war sehr enttäuschend. Es wäre wertvoller gewesen, wenn mehr Wert auf das Überwinden des Verlusts der Mutter gelegt worden wäre. Stattdessen ist Reichtum die Lösung aller Probleme und zum Schluss schweben alle im einem kreischbunten Jahrmarkt mit Luftballons herum.

Leider ruiniert das Ende und die damit verbundene Botschaft den ganzen Film, auch wenn die ersten zwei Drittel nostalgisch schön waren.