Ready Player One

Ready Player One von Ernest Cline

Klappentext: Im Jahr 2045 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die Oasis, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die Oasis ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis. Der exzentrische Schöpfer der Oasis hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet …

Cover

Ich habe die Geschichte als Hörbuch konsumiert. Das Covericon war mitverantwortlich dafür, dass ich das Buch hören wollte, zum großen Teil aber auch der Titel. Daraus ist klar zu ersehen, dass es um Video- oder Computerspiele geht.
Farblich ich das Cover mit Weiß, Schwarz- und Türkistönen schlicht gehalten. Mir gefällt es gut. Die holografischen Gebäude im Hintergrund weisen auf eine Sci-Fi Geschichte hin. Das Cover empfinde ich als passend und aussagekräftig. Es hätte mich auch im Geschäft als Buch angesprochen.

Inhalt

Wade Watts ist ein ungeliebter Waisenjunge in einer kaputten Welt. Er gehört zur Unterschicht und kennt nicht viel Gutes im Leben. Das einzig Positive für ihn ist die Open Source Software der digitalen Welt der Oasis. Dort findet 2045 das Leben statt. Schule, Arbeit, Freunde und Vergnügen.
Wade ist ein Nerd und hat ein Techniktalent. Gemeinsam mit anderen Fans des Oasis Erfinders und Programmierers, jagt er dessen Erbe hinterher. James Halliday hat demjenigen, der seine Rätsel löst, versprochen, die Macht über die Oasis zu bekommen. Doch nicht nur die Jäger sind hinter diesem Erbe her, die Firma IOI wittert das Geschäft des Jahrhunderts und möchte die Oasis zu einer kostenpflichtigen Software umwandeln, um möglicht viel Geld aus den Nutzern herauszupressen.
Auf der Suche nach den drei Schlüsseln, die gebraucht werden, um zu gewinnen, müssen sich die Spieler mit den 80er Jahren beschäftigen. Es geht um Musik, Filme und jede Menge Videospiele dieser Zeit.

Gedanken beim Hören

Diese Kritik hat nur am Rande etwas mit meinem Gesamturteil über das Buch zu tun. Es sind spontane Emotionen und Eindrücke.

Die Geschichte ist ein Bombardement an Faninsidern. Wer weder die 80er noch Videospiele oder Filme dieser Zeit kennt, wird vermutlich geringeren Spaß an der Geschichte haben.
Für Nerds sind die ganzen Infos ein Fest. Es macht so viel Spaß all die Kleinigkeiten zu entdecken, die man kennt, sei es Pen and Paper, Filmerinnerungen oder Videospielnostalgie.
Die dystopische Welt voller Armut und Zerstörung ist gut durchdacht. Sie spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Kein Wunder. Wenn man nicht reich ist, hat man nur den Ausblick auf eine Schlammschlacht um Essensmarken, Müll und einen kaputten Planeten.
Die Mischung aus der modernen Virtual Reality und den frühen Anfängen der Videospielindustrie finde ich genial.
Die Vorstellung in der Oasis zur Schule zu gehen, finde ich fantastisch und gruselig zugleich. Mobbing ausblenden zu können, weil man Mitschüler stumm schalten kann, Schimpfwörter werden automatisch zensiert und Schlägereien sind unmöglich, weil es keine PvP Zone ist, hat Vorteile. Andererseits degradiert es die soziale Erfahrung in der Schule noch mehr auf Absitzen, als im RL, finde ich.
Die Möglichkeiten den Unterricht lebendiger gestalten zu können, fasziniert mich dann wieder.
Es ist eine interessante Vorstellung, wie sich das Leben in die virtuelle Realität verschiebt, so dass beides nicht mehr voneinander zu trennen ist.
Die Oasis mag zwar Open Source sein, aber das beschränkt sich auf den Zugang. Wer kein Geld hat, kann keine anderen Welten betreten oder es fehlt ihm am nötigen Equipment. Insofern teilen sich auch dort die Reichen von den Armen.
Allerdings gibt es in der digitalen Welt noch Natur, sauberen Himmel und Tiere. Manchmal erscheint es mir wie ein Sarkophag all der Dinge, die die Menschheit vernichtet hat.
Die Charaktere sind ganz normale Leute. Wade hat Übergewicht, später eine Glatze und Artemis hat eine barocke Figur. Das finde ich sehr sympathisch. Endlich mal keine genormten Protagonisten.
Was auch sehr gut rüber kommt, ist die Diskrepanz zwischen VR und RL. Nur weil jemand in der Oasis ein kleines Mädchen mit Rehaugen spielt oder einen riesen Kerl mit baumstammdicken Oberarmen, heißt es nicht, dass es in der Realität nicht genau umgekehrt sein kann.
Ab und an habe ich ins Tischtuch gebissen, weil die Handlung vor sich hin plätscherte und eigentlich nichts passiert ist. Aber da es genau darum ging, konnte ich es verschmerzen.
Ich finde es gut gemacht, dass die virtuelle Realität nicht der Bösewicht ist, sondern dabei helfen kann, in der Realität alles wieder besser zu machen, was der Mensch zerstört hat. Die Hoffnung liegt darin, sie zu beschützen.

Résumé

Abgesehen von meinem Fazit, werde ich Punkte vergeben. Das wird allerdings anders aussehen, als üblich. Bei mir gibt es nämlich keine Sterne. Ich vergebe an meine Lektüre Federn und Tintenkleckse. Das Prinzip funktioniert ganz einfach. Für Aspekte, die mir besonders gut gefallen, gibt es eine Feder, für Schnitzer, über die ich nicht hinwegsehen kann, gibt es einen Klecks. So kann es durchaus passieren, dass ein Buch auch mal weder eine Feder noch einen Klecks bekommt.

Eine Feder für den Nostalgiecharakter und die Liebe zu den Details.

Eine Feder für das Charakterdesign und den Verzicht auf Normierung.

Eine Feder für den fühlbaren Gegensatz zwischen VR und RL.

Eine Feder für die positive Darstellung von Einzelgängern, Nerds und Nerdspielen.

Ich liebe die Geschichte. Das Setting ist dystopisch und fantastisch zugleich, die Figuren sind lebendig, realistisch und abwechslungsreich. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen und alles ist mit so viel Detailliebe gestaltet, dass es jedes Nerdherz und das von Leuten, die in den 80ern und 90ern aufgewachsen sind, höher schlagen lassen wird.

Ob es etwas für Leute ist, die weder mit Videospielen, Filmen, noch mit den 80ern etwas anfangen können, wage ich zu bezweifeln. Ich könnte mir vorstellen, dass ihnen die Handlung zu zäh läuft und die Inhalte oft als Insider an ihnen vorbeigehen.

Wenn ihr wissen wollt, was andere von „Ready Player One“ halten, dann schaut doch mal hier vorbei:

Bücherkaffee

Literaturschock

Torstens Bücherecke

Meine Meinung zum Film: Eine Ohrfeige für Nerds und Spieler.

Ein Gedanke zu „Ready Player One“

  1. Pingback: Game over – Filmrezension zu Ready Player One – Autorin

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