Buchrezension – Das Geisterhaus

Das Geisterhaus von Isabel Allende

Klappentext: Eine Familiensaga, die zum Welterfolg wurde: Isabel Allende erzählt die wechselhafte Geschichte der Familie des chilenischen Patriarchen Esteban Trueba und seiner hellsichtigen Frau Clara und führt uns mit der ihr eigenen Fabulierkunst durch eine Zeit, in der persönliche Schicksale und politische Gewalt eng miteinander verwoben sind. Der Erfolg dieses Buches verdankt sich dem hinreißenden Erzähltemperament Isabel Allendes: Mit Phantasie, Witz und Zärtlichkeit malt die Autorin das bunte Tableau einer Familie über vier Generationen hinweg.

Genre: Gesellschaft, Mystery

Achtung, sensibler Inhalt! Folter, Gefangenschaft, gewaltvoller Tod, sexuelle Gewalt, extreme Gewalt.

An dieser Stelle möchte ich mich kurz bei all den Leuten bedanken, die Arbeit und Mühe in das Buch gesteckt haben. Unabhängig davon, wie ich das Buch persönlich bewerte, verdienen die künstlerischen Ambitionen Anerkennung. Dankeschön.

Cover

Da ich zu den Coverkäufern zähle, beschäftige ich mich auch mit der Frage, ob mich Cover ansprechen würden und zum Kauf verleiten.

Leider schmücken Gesellschaftsromane meist Fotos, wie von einer Ferienhausseite. Das finde ich im allgemeinen nicht so schön. Auch die neueren Auflagen vom Geisterhaus sind so eingehüllt. Ich liebe dieses Cover deshalb um so mehr. Gesellschaftsromane sind nicht unbedingt mein Lieblingsgenre, aber die wunderschöne, simple Optik ist allemal einen Blick wert.

Inhalt

Über mehrere Generationen hinweg wird die Geschichte der Familie Trueba und ihrer Angestelten aus Chile erzählt, einer reichen Familie, deren Oberhaupt Esteban Trueba das Leben aller anderen durch seine Engstirnigkeit, patriarchale Haltung und gewaltvollen Wutausbrüche prägt. Die politischen Entwicklungen Chiles und die unterschiedlichen Charaktere der Familienangehörigen sorgen dabei für viel Abwechslung.

Gedanken beim Lesen

Diese Kritik hat nur am Rande etwas mit meinem Gesamturteil über das Buch zu tun. Es sind spontane Emotionen und Eindrücke.

Das Buch ist ein „schwerer Brocken“. Es geht viel um Tod und das Unrecht, das Menschen sich gegenseitig antuen. Dadurch kann es zur Herausforderung werden das Buch zu lesen. Lustig ist es nur sehr selten, auch wenn die Geschichte hier und da ihren angenehmen Charme hat. Vor allem aber zeigt sie Umstände bei politischen Umbrüchen und Revolutionen.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, spiegeln die vielen verschiedenen Wahrnehmungen der Umwelt wieder und die mehr oder minder intensive Aufnahme von politischen Ansichten. Dabei bleiben sie allerdings Schablonen, die für bestimmte Gesinnungen stehen. Sie erleben so ziemlich alles, was es zu erleben gibt. Clara, die von der jüngsten Tochter, zur Ehefrau, zur Mutter, zur Großmutter, zum Hausgeist wird, bringt einen mystischen Charakter in die Geschichte, mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten, der jedoch meist im Hintergrund und nebensächlich bleibt.

Der Aufbau und die Ansichten der damaligen Gesellschaft werden durch Esteban als Patron einer riesigen Farm und der beinahe schon leibeigenen Angestellten recht gut skizziert. Welchen Unterschied Bildung, Stand und die politische Orientierung ausmachen können, wird recht simpel, aber dadurch auch plastisch dargestellt. Seine dauerhafte Gewaltbereitschaft empfinde ich allerdings als überzogen und unerträglich, vor allem da einige der Kapitel aus seiner Sicht geschrieben sind. Auch die immer wiederkehrende unmotivierte Gewalt gegen Tiere ist extrem Grenzwertig, vielleicht geschichtlich korrekt, aber dennoch für die Handlung nicht notwendig.

Dass Menschen damals wie Sklaven lebten, von den Reichen unterdrückt wurden, ist sicherlich korrekt. Dass Politik dazu missbraucht wird einige oben zu halten und andere zu unterwerfen ist ebenfalls wahr. Auch heute geschehen solche Dinge noch. Das zu thematisieren, finde ich wichtig. Allerdings legt der Verlauf der Handlung nahe, dass das Patriarchat so schon in Ordnung gewesen sei. Esteban begeht zwar Verbrechen um Verbrechen ohne jemals dafür wirklich gerade stehen zu müssen – seine kurze Gefangenschaft bei den ehemaligen Angestellten, wird fast lustig inszeniert -, aber zum Schluss hat er es ja eingesehen und sich vielleicht sogar gebessert. Das ist für mich keine gute Botschaft. Natürlich sind Menschen nicht nur böse oder gut. Wir haben alle unsere Höhen und Tiefen. Aber für Estebans Handlungen bezahlen im Grunde alle anderen, nur er selbst nicht. Er hat ein langes Leben, hat alles bekommen, was er wollte und zum Ende seinen Frieden.

Résumé

Abgesehen von meinem Fazit, werde ich Punkte vergeben. Das wird allerdings anders aussehen, als üblich. Bei mir gibt es nämlich keine Sterne. Ich vergebe an meine Lektüre Federn und Tintenkleckse. Das Prinzip funktioniert ganz einfach. Für Aspekte, die mir besonders gut gefallen, gibt es eine Feder, für Schnitzer, über die ich nicht hinwegsehen kann, gibt es einen Klecks. So kann es durchaus passieren, dass ein Buch auch mal weder eine Feder noch einen Klecks bekommt.

Gewalt wird intensiv und oft geschildert, ohne jedes Mal für die Charakterisierung oder die Handlung notwendig zu sein.

Fazit:

Das Geisterhaus zeigt geschichtliche Einblicke in eine Welt, auf der unsere heutigen Regeln aufgebaut sind. Deshalb halte ich das Buch für wertvolle Literatur. Ein entspannender Unterhaltungsroman ist die Geschichte definitiv nicht.

Weitere Meinungen zu „Das Geisterhaus“ findet ihr bei:
In Büchern leben
Literatourismus

„Das Geisterhaus“ las ich im Zusammenhang mit der Nornennetzchallenge zum Schuber #HiddenPowers. Hier der Link zu den Kurzmeinungen einiger Nornen.

Die nächste Rezension zu bedeutender Literatur von Autorinnen ist „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke.