Erfahrungen mit Papyrus nach längerem Gebrauch

Anfang 2019 habe ich Papyrus 9 erworben, um professionellere Textarbeit zu leisten als mit Word. Vor allem von den Buchsatzfuktionen und dem einfachen Speichern in anderen Formaten habe ich mir viel versprochen. Außerdem bot Papyrus einen Impressumsservice an, den ich gerne nutzen wollte.

Nach einem halben Jahr habe ich den ersten Erfahrungsbericht geschrieben. Die ausführliche Bewertung ist im Artikel zu finden. kurz und knapp war mein erstes Urteil, dass es viele tolle Funktionen zur Textüberprüfung gibt. Die Stilprüfungen sind gut gemacht und wertvoll. Leider klappte das Lektorat mit der Papyrusdatei gar nicht. Ich fand die Kommentarfelder und die nachverfolgbaren Textänderungen nicht angenehm nutzbar. Den Text zerschossen hat es teilweise auch, so dass ich viele der Anmerkungen nicht sehen konnte. Nach diesem Debakel habe ich meine Dateien nicht noch einmal als pap bearbeiten lassen, sondern immer als docx.

Was anhaltend gut funktioniert, ist das Einrichten der Dateien. Der passende Buchsatz ist leicht einzustellen. Es gibt ein BoD Papierformat für Romane, was für mich großartig ist. Der Wechsel zwischen Normseiten, PDF und anderen Formaten ist wirklich simpel.

Während der letzten Jahre habe ich mich mit den tiefergehenden Zusatzfunktionen beschäftigt, wie der Figurendatenbank, anderen nützlichen Listen und dem Zeitstrahl. Außerdem habe ich das Update zu Papyrus 11 erworben.

Im Gegensatz zum letzten Mal, als ich für die simple Benutzungsoberfläche und die Startseite von Papyrus noch einen Daumen hoch für intuitive Nutzbarkeit vergeben habe, gibt es für die Zusatzmöglichkeiten leider keine gute Einschätzung.

Leider finde ich diese Funktionen sehr wenig intuitiv. Teilweise musste ich lange nach Anleitungen von Dritten im Netz suchen und hatte das Gefühl halb programmieren können zu müssen, vor allem wenn ich etwas individuell anpassen wollte. Die Dokumente verhielten sich dabei sehr störrisch, so dass nichts so aussah wie ich wollte. Letztendlich arbeite ich für Datenbanken immer noch mit Excel, weil ich das übersichtlicher finde.

Was mir an der Figurendatenbank gut gefällt ist, dass ich aus dem Text direkt zu meiner Figur switchen kann. Die Namen werden als Links markiert. ich weiß noch nicht, ob mir der Vorschaukasten gefällt, der erscheint, wenn ich über den Namen mit dem Mauscursor fahre. Wenn ich nach Infos gucken will, dann ist es ein schneller einfacher Weg. Wenn nicht, nervt es manchmal, dass der Kasten ungefragt erscheint.

Was mit Figuren geht, geht auch mit Orten und Gegenständen. Diese sind anders als die Figurendatenbank allerdings nicht über ein Icon auf der Startseite zu finden, sondern müssen über die Menüleiste unter Tabelle angeklickt werden. Das finde ich umständlich, vor allem weil in der Menüleiste der Startseite genug Platz für die passenden Icons wäre.

Was ich störend finde, ist, dass die Übersichtsseite der Figurendatenbank keinen richtigen Einblick in die Angaben der Charaktere bietet, weil die Zeilen so schmal sind, dass ich jedes Charakterblatt einzeln einsehen muss. Das ist kein Überblick. Außerdem kann ich die Reihenfolge der Einträge nicht ändern und muss die Charakterbögen wechseln, statt mehrere gleichzeitig nebeneinander öffnen zu können.

Die Auswahl in den Charakterbögen beim Geschlecht ist großartig.

Leider gibt es in der Figurendatenbank keinen rückgängig Button. So eine Funktion für Rückgängig und Wiederholen ist eigentlich standart und sollte nirgendwo fehlen. Der Resetknopf schaut so einer Fuktion auch noch fatal ähnlich, es leicht zum Löschen der Datenbank führen kann. Ungünstig gelöst, finde ich.

Der Zeitstrahl ist eine interessante Zusatzfunktion. Die Eingabe finde ich leider nicht so gelungen. Ich musste eine Weile suchen, um herauszufinden, wie ich was angeben kann. Ungünstig ist, dass ich beim Zeitstrahl Tage angeben muss und nicht nur Mont/Jahr möglich sind. Die Funktion ist so nur für eine kurze erzählte Zeit interessant. Bei längeren Zeiträumen wird die Liste unübersichtlich. Die Felder sind dann klein und zusammengeschoben. Das ist so wenig hilfreich wie die Übersicht der Figurendatenbank. Außerdem ist die Darstellung ausschließlich linear. Wenn es nur eine Haupthandlung gibt, kann ich die Darstellung nicht ändern, so dass oben eine schmale lange Linie dargestellt wird, die Mitte der Seite ist zu 5/6 leer und weiß. Ich würde lieber meinen eigenen Strang platzfüllend darstellen, wie einen Kalender.

Beim Zeitstrahl gibt es im Übrigen eine zurück und erneut Funktion. Sehr cool ist auch die Anzeige, welche Figuren in welcher Szene vorkommen.

Die dritte Zusatzfunktion ist das Denkbrett. Das finde ich sehr gut gemacht. Es gibt alle möglichen Vorlagen, die zur Nutzung ausgesucht werden können. Mit einem einzigen Klick sind diese als Folien links in der Übersichtsleiste wie bei einer Powerpointpräsentation. Ich muss nicht suchen, finde alles direkt und kann ganz leicht über direktes Klicken Eingaben machen. Besonders für Pantser ist diese Funktion ein Highlight, schätze ich. In der Planungsphase sind diese Notizzettel wunderbar. Die Genreblätter sind lustig, wenn auch recht stereotyp.

Die Menge an Möglichkeiten ist beeindruckend und nützlich. Auch wenn die Datenbanken nicht optimal sind und verbessert werden könnten. Besser Übersichtsseiten wären hier wichtig.

Allgemein macht Papyrus was her. Die Extras auf der Startseite, die ich mag, habe ich schon im ersten Artikel benannt. Auch dass das Programm markierte Wörter zählt ist hilfreich. Und es unterstützt auch in der Motivation. Auf der Startseite können unten links ganz leicht Ziele eingegeben werden. Der Ladebalken füllt sich erst grün, dann lila. Das gefällt mir alles sehr. In der 11er Version finde ich auch den Look der Startseite fesh und pinne sehr gerne Postits an. Als digitale Notizwand direkt neben dem Text, liebe ich diese Möglichkeit sehr.

Ein Grund, wieso mir Papyrus 2019 das Geld wert war, war die Aussicht auf einen Impressumsservice. Mit Einführung der DSGVO hieß es, man müsse den Service neu bewerten, damit er zu den Richtlinien passt. Leider wurde er mittlerweile ganz abgeschafft. Das ist ein großes Manko, weil der Preis von Papyrus trotz Leistungsminderung nicht niedriger geworden ist.

Ist Papyrus seinen Preis wert?

Ich finde Papyrus zu teuer. Das Programm kostet neu aktuell 199€, ohne Impressumsservice. Das Update auf Version 11 kostete 79€.
Version 9 gab es 2021 schon nicht mehr so simpel runterzuladen, als ich meinen Computer neu aufgezogen habe. Für die hauptsächlich optischen Änderungen am Programm hätte ich sonst keine 79€ ausgegeben und mit der 9er Version weiter gearbeitet.

Änderungen von 9 zu 10

  • Neues Logo
  • Neue Übersichtsseite im Startdialog
  • Vorlagen werden übersichtlicher angezeigt
  • Symbole und Icons sind aufgehübscht
  • Pinnwand hat jetzt den Namen Pinnwand bekommen und der Hintergrund lässt sich ändern
  • Schreibfokusmodus (Symbolleisten werden ausgeblendet)
  • Autor in der menüleiste für alle Iconfunktionen vom Blatt
  • 64 Bit
  • Dudenkorrektor aktuell
  • Organizer druckbar

Änderungen von 10 zu 11

  • Neuer Pinnwandhintergrund
  • Charakterkarten wenn über Name wischen, klickbar
  • Karten editierbar und farblich anpassbar
  • Avatare für Charaktere
  • Stilstatistik und Lesbarkeitsstatistik für die Übersicht
  • Schreibziele (Deadlinecounter)
  • Denkbrett hat eine Folienübersicht dazubekommen und Vorlagen
  • Synonyme und Antonyme anzeigen lassen

Das Fazit der längeren Nutzung von Papyrus fällt nicht durchweg positiv aus. Ich brauche andere Programme für Lektorats- und Korrektoratsdurchgänge. Ohne Word läuft nichts. Die Datenbanken sind mir als Übersicht zu sperrig. Stattdessen nutze ich noch immer Exceltabellen.
Die Analyseprogramme finde ich wunderbar, die lohnen sich sehr. Auch das leichte Umwandeln des Datei – und Anpassen des Papierformats liebe ich sehr.
Allerdings ist der Preis des Gesamtpakets zu hoch, finde ich.

Was euch im nächsten Teil erwartet:

  • Bleibe ich bei Papyrus oder wechsle ich und wenn, wieso?

Schreibe einen Kommentar