Abgezockt – Assassins Creed Unity

Erscheinungszeitraum: 2014

Altersfreigabe:

Gespielt auf: PC über Steam mit Gamepad

Genre: Action-Adventure

Achtung, sensibler Inhalt! Extreme Gewalt, sexuelle Gewalt.

Geschichte und Setting

Wie der Titel unschwer erkennen lässt, spielen wir einen Attentäter. Arno lebt zur Zeit der Französischen Revolution. Die Templer und die Assassinen sind Gruppen, die sich bekämpfen und versuchen die Herrschaft über die Welt zu erlangen bzw. die Freiheit der Welt zu erhalten. Nachdem Arnos Ziehvater von Templern ermordet wird, tritt er den Assassinen bei und begibt sich auf einen Rachefeldzug. Spieler:innen versuchen mit ihm den Auftraggeber, Mitwissende und Helfer aufzustöbern und zu bestrafen.

Das Setting ist gut gemacht. Paris des 18. Jahrhunderts ist atmosphärisch dargestellt. Aufgebrachte Menschenmassen tummeln sich überall auf den Straßen.
Die pferdelosen Kutschen sind allerdings fade. Das Prinzip Kutschen zu benutzen, mitfahren oder lenken zu können, gab es doch schon in vorherigen Assasins Creed Teilen. Wieso werden in diesem Teil nutzlose Kutschen wie Dekogegenstände in die Straßen verteilt, wenn sie sich doch hervorragend geeignet hätten, die Dynamik der Spielerfahrung und des Straßenbildes anzureichern, indem sie sich bewegen?
Dann gibt es ganz kuriose Korridore ohne Türen oder Treppen. Das hat mir das Zurechtfinden in Häusern hin und wieder erschwert.
Außer Napoleon und De Sade ist mit historischen Charakteren nicht interessantes dabei. Der König kommt auch nur am Rand vor. Marie Antoinette gar nicht. Wenn Frauen vorkommen, dann nur als Loveinterest. Es wäre spannend, auch Elise – Arnos Ziehschwester – spielen zu können. Gerade weil ihre Verbindung zu den Templern Einblicke verschaffen würde und es gemeinsame Quests gibt.
Wie in den Vorgängerteilen, sind die Akteure jedoch alle männlich, bis auf ein paar Ausnahmen. Bei diesem Teil ist es mir aber besonders unangenehm aufgefallen. Frauen sind entweder Prostituierte (was in Vorgängerteilen so auch schon genutzt wurde), untreue Ehefrauen oder zänkische Nachbarinnen, die spannernd an Fenstern herumlungern. Richtig übel finde ich das Pärchen, bei dem der Mann die Frau an die Wand drückte. Das kommt überall immer wieder vor.
Wozu der „Novize“, also wir, immer Anweisungen aus der Gegenwart bekommt, ist nicht klar. Ich mochte diese Einlagen bei früheren Spiele sehr gerne, hatte auf eine Verknüpfung mit inhaltlicher Storyline gehofft, aber leider wurde das immer weiter abgebaut, bis ich in diesem Teil gar keinen Sinn mehr erkennen konnte.
Der Kern der Geschichte ist ein ziemliches Machogehabe. Arno will Rache und marodiert vor sich hin. Das ist nicht so spannend.

Es gibt einige nette und Abwechslungsreiche Möglichkeiten zwischen den üblichen Attentaten.
Ich mag die Mechanik, um Truhen zu knacken. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl konnte ich Truhen aufmachen, obwohl mein Wert noch niedriger war. Das machte das Spiel lebendiger.
Die Mordfälle sind klasse, wenn auch manchmal nicht sehr logisch zu erschließen. Tatorte suchen, Hinweise finden und den Täter ermitteln. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Noch schöner wäre es gewesen, wenn die Fälle ab und an auch etwas mit der Handlung zu tun gehabt hätten.
Die Gestaltung der eigenen Ausbaumöglichkeiten – Theater und Gesellschaftsclubs – ist sehr eintönig und ohne wirklichen Nutzen. Das hat keinen Spaß gemacht.

Das Spiel hat so einige Schwierigkeiten mit der Balance. Die Gruppenquests, um online mit anderen gemeinsam zu meucheln, sind eine nette Idee. Allerdings nur für die Zeit geeignet, wenn das Spiel frisch auf dem Markt ist. Danach ist es wirklich schwer, Mitspieler zu finden. Es wäre nett, mit NPCs auffüllen zu können. Alleine sind die Quests zwar spielbar, aber extrem aufwendig und langwierig.
Das Spiel ist sehr buggy. Immer wieder glitchen Charaktere, Arno auch. Gegner bemerken Arno durch Wände oder Mauern, obwohl sie ihn nicht hätten sehen sollen. Das machte das Spielerlebnis recht anstrengend. Auch wenn ich die Fehler teilweise dann für mich genutzt habe. So konnte ich hinter einer Wand in Deckung gehen und einen Gegner nach dem anderen meucheln, wenn er vorbei rennen wollte. So habe ich ganze Leichenstapel hinter mir angehäuft, um schließlich ungestört die eigentliche Mission zu vollenden. Aber wie soll man eine Quest anders lösen, wenn das Spiel durch Fehler die Spieler:innen dazu zwingt.
Sehr nervig sind die Möglichkeitsbeschränkungen, die während mancher Quests plötzlich auftreten. Bis auf ein Fenster waren von einem Moment auf den anderen alle anderen geschlossen und die gründliche Planung des Attentats wurde zu einer chaotischen Flucht.
Ein bisschen nervig war auch die Sucherei nach fehlenden Kisten, die trotz Rundumblick nicht angezeigt werden. Schatzkarten wären nett.

Grafik und Sound

Was ich an den Spielen gerne mag, sind die vielfältigen Kommentare der NPCs. Vor allem wenn sie in Paris dann auch auf Französisch sind. Musikalisch ist der Teil gut unterlegt. Das trägt, wenn auch meistens unterbewusst, zur Stimmung des Settings bei. Manchmal stören Texte aber auch, zum Beispiel bei Schurken, die immer und immer wieder das Gleiche sagen.

Die Grafik ist klasse. Die liebe zum Detail was Häusergestaltung angeht, ist deutlich zu spüren. Ich liebte es, den Ausblick zu synchronisieren und Teile der Stadt von oben im Rundumblick zu bewundern. Tageszeiten, Lichtverhältnisse, Schatten, Wetterbedingungen, ein visueller Genuss. Nur die Haardarstellung der Charaktere störte mich ein bisschen, weil sie qualitativ negativ heraussticht.

Die Videosequenzen sind für die Story wichtig und gut gemacht.

Steuerung

Das Menü ist nichts besonderes. Es ist gut zu verstehen, einfach und unspektakulär gehalten.
Die Steuerung des Charakters ist eine Katastrophe. Arno hockte sich auf Kommoden und kam nicht mehr runter, er stieg nicht über Betten oder manche Tische. Hecken und Zäune waren auch nicht alle kletterbar. Die Kamera drehte in der Bewegung unmotiviert, so dass Arno plötzlich die Richtung wechselte und er sprang zu gerne in den Tod, auch wenn unter ihm ein Seil gespannt war.
Das Kampfsystem ist grauenvoll. Arno ist extrem langsam. Bis er endlich mal eine Rauchbombe wirft oder zuschlägt, ist er, vor allem in unteren Leveln, schnell erschlagen. Abzuwehren ist zu Beginn nahezu unmöglich, auch wenn man den Knopf ideal drückt. Sobald Gegner im Kampf auf Treppen oder Podesten standen, hat Arno sie ganz oft nicht mehr getroffen, sie ihn aber schon.
Besonders schneckenartig war das Anzünden der Feuer auf der Bastille. So gemächlich hat noch niemand Feuerstein und Stahl benutzt.
Die Möglichkeit, sich zu verkleiden, ist vollkommen nutzlos. Sobald Arno auf nur die kleinste Schwelle übertritt, ist die Verkleidung weg.

Fazit

Trotz wundervoller Stadtgrafik und netten Ansätzen, um die Stimmung der Zeit und des Ortes einzufangen, wirkte das Spiel unvollendet. Die Steuerung und die Bugs haben den Spielspaß zusätzlich enorm reduziert. Ich halte Unity für den schlechtesten Assassins Creed Teil, den ich bislang gespielt habe.

Weiter Meinungen zu Assassins Creed Unity findest du bei:
Gamestar
Geekgeflüster

Assassins Creed Unity ist der achte Teil der Reihe. Ich habe davor und danach weit bessere AC gespielt.

Hier findets du die Rezension zum Vorgängerteil AC Syndicate.

Ein Gedanke zu „Abgezockt – Assassins Creed Unity“

  1. Pingback: Abgezockt – Assassins Creed Syndicate – Dystopische Autorin

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